Die Weggeworfenen — Geschichte einer Abschiebung

Manchmal weiß Celestine Kpakou nicht, wie sie satt werden soll. Auch nach zwei Jahren blickt die 20-Jährige ungläubig auf ihr neues Leben, dieses Land, das nun ihre Heimat sein soll. 2006 wurde die Familie Kpakou nach Togo abgeschoben, nach 13 Jahren in Deutschland. Der Film zeichnet das Porträt einer aus dem Leben gerissenen Familie.

  • DOKUMENTATION
  • 2008
Die Weggeworfenen — Geschichte einer Abschiebung

Noch immer wache ich jeden Morgen auf und hoffe, alles ist ein Irrtum“, sagt Celestine Kpakou. Von einer Ausbildung zur Zahnarzthelferin hatte sie geträumt, jetzt weiß sie manchmal nicht, wie sie satt werden soll. Im September 2006 wurde die Familie Kpakou aus Togo abgeschoben, nach 13 Jahren in Deutschland. Sie war Anfang der 90er Jahre vor einer brutalen Diktatur nach Deutschland geflohen. Die Kinder wuchsen hier auf und kannten nicht viel mehr als den kleinen Ort Cölbe bei Marburg. Bis eines Morgens um 05.00 Uhr die Polizisten in der Wohnung standen. Eine halbe Stunde hatten sie Zeit, um ihre Koffer zu packen. Mit dem ersten von Deutschland organisierten europäischen Sammelabschiebeflug wurden sie zurück nach Afrika gebracht. Nur Vater Christopher Kpakou lebt noch immer in Cölbe, weil man am Tag der Abschiebung gemerkt hatte, dass er aufgrund seines erhöhten Blutdrucks nicht transportfähig war. Kpakou ist seitdem schwerkrank, für seine Familie kann er nicht viel tun. Um deren Überleben kümmert sich ein deutscher Unterstützerkreis. Ehemalige Nachbarn, Freunde und Lehrer überweisen regelmäßig Geld nach Togo. Celestine und ihre Schwestern lernen in einer Näherei Schneidern. Von ihren Kolleginnen werden sie verspottet als die „Weggeworfenen“, die mit leeren Händen aus Europa zurückgekommen sind. „Ohne Geld“, sagen sie, „bist Du hier nichts wert“. Ihr jüngere Bruder Richie, der in Marburg Klassensprecher war, bereitet sich auf sein Abitur vor, in Ghana, wohin er mit seiner Mutter umgezogen ist, weil dort in englischer Sprache unterrichtet wird. Die Familie driftet langsam auseinander. Die 18jährige Belinda, hat es nicht mehr ausgehalten und ist seit Monaten spurlos verschwunden. Ihr älterer Bruder Kokou macht sich auf die Suche nach ihr.

Drehbuch

Anita Blasberg, Marian Blasberg

Regie

Lutz Ackermann

Produzenten

Jörg Schulze, Jana Goetze, Frank Evers

in Koproduktion mit

ZDF

Redaktion

Christian Dezer

PREISE

2010 Prix Italia Gewonnen — Special Price for Programmes that effect social change // 2009 Deutscher Fernsehpreis — Nominiert //